Markus, was ist dir mit Blick auf den Besuch von Werner Graf besonders wichtig?
Für uns geht es darum, ganz konkret darüber zu sprechen, wie industrielle Arbeit in Berlin auch in Zukunft gestärkt werden kann. Der Wandel findet längst statt: Unsere Produktion wird digitaler, Standorte werden stärker vernetzt, Prozesse werden automatisiert und klimafreundlicher.
Die entscheidende Frage ist deshalb: Was passiert mit den Menschen, deren Arbeit sich dadurch verändert? Wir dürfen nicht warten, bis Arbeitsplätze wegfallen. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass Beschäftigte die Qualifikationen bekommen, die sie für die Arbeit von morgen brauchen.
Wie verändert sich die Arbeit denn heute schon konkret?
Ein Beispiel sind digital unterstützte Steuerungen und Sensorik. Maschinen können zunehmend selbst erkennen, wann Wartungen notwendig sind oder Probleme auftreten. Tätigkeiten, die früher von Maschinenbedienern übernommen wurden, verändern sich dadurch.
Gleichzeitig brauchen wir mehr Fachkräfte, die solche Systeme verstehen, Daten analysieren und die Technik steuern können. Die Arbeit verschwindet also nicht einfach, aber sie verändert sich. Und darauf müssen wir die Beschäftigten vorbereiten.
Was passiert, wenn diese Qualifizierung nicht gelingt?
Dann verschärfen wir den Fachkräftemangel. Wenn Tätigkeiten durch Automatisierung, Robotik oder KI wegfallen, können wir die Menschen nicht einfach zurücklassen.
Deshalb darf Weiterbildung kein Bonus oder Goodie mehr sein. Sie ist eine Investition in Beschäftigungssicherung und in die Zukunft der Unternehmen und Standorte. Und sie darf nicht bei zwei oder drei Schulungen enden. Die Beschäftigten müssen das Gelernte auch anwenden und Erfahrung sammeln können. Das betrifft Ältere genauso wie Jüngere, Teilzeitbeschäftigte genauso wie Vollzeitkräfte. Wenn wir wollen, dass gute industrielle Arbeit in Berlin bleibt, müssen alle eine echte Chance bekommen, sich für die Veränderungen der Arbeitswelt zu qualifizieren.
Was muss sich dafür bei den Rahmenbedingungen ändern?
Qualifizierung muss in die Personalplanung integriert werden. Wenn jemand mehrere Wochen Weiterbildung braucht, muss der Betrieb das organisieren und personell auffangen können.
Dafür brauchen wir auch politische Unterstützung: Förderprogramme, die tatsächlich funktionieren, weniger Bürokratie und gute Beratungsangebote für Beschäftigte und Unternehmen. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen brauchen hier Unterstützung.
Was erwartest du deshalb konkret von der Politik – und auch von Werner Graf?
Ich erwarte konkrete Antworten. Nicht nur das Bekenntnis, dass Industrie wichtig ist, sondern einen Plan dafür, wie Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung gesichert werden können.
Dazu gehören aus meiner Sicht gute Rahmenbedingungen für Weiterbildung und Ausbildung. Unternehmen müssen stärker in Ausbildung investieren und Beschäftigte müssen die Möglichkeit bekommen, sich während ihrer Arbeitszeit weiterzuentwickeln.
Wenn du dem künftigen Berliner Senat einen Satz mitgeben könntest: Welcher wäre das?
Gerade in der Industrie entscheidet Weiterbildung darüber, ob gute Arbeit erhalten bleibt oder Beschäftigte abgehängt werden. Berlin darf deshalb nicht nur über den Wandel sprechen. Wir müssen ihn jetzt gestalten und dafür sorgen, dass die Beschäftigten dabei nicht auf der Strecke bleiben.