Rentenreform „Rente ab 63“: Warum wir sie unbedingt erhalten müssen

Wer 45 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, hat sich den Ruhestand verdient. An diesem Grundsatz sollten wir nicht rütteln. Denn sonst drohen massive Ungerechtigkeiten.

Gleichstellungspolitische Impulse setzen

24. Juli 2026 24. Juli 2026


Das aktuelle Rentenpaket enthält positive Ansätze. Aber hinter vielen Vorschlägen verbergen sich Sozialabbau und eine Schwächung der gesetzlichen, umlagefinanzierten Rente. Insgesamt ist das Rentenpaket von Ausgewogenheit weit entfernt. Es muss deshalb noch einmal aufgeschnürt werden, fordert die IG Metall. Die geplante Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren ist der größte Kritikpunkt. 

„Realitätsfern ist es, die Möglichkeiten des verlässlichen und flexiblen Übergangs in den Ruhestand abzuschaffen. Die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 wäre ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die Jahrzehnte gearbeitet, Beiträge gezahlt und den Wohlstand dieses Landes mit erarbeitet haben“, betont IG Metall-Sozialvorstand Ralf Reinstädtler. „Wer 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, hat sich einen abschlagsfreien Übergang in den Ruhestand verdient. An diesem Grundsatz sollten wir nicht rütteln. Denn sonst drohen neue Ungerechtigkeiten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die oft schon sehr früh ins Berufsleben eingestiegen sind.“

Die sogenannte „Rente ab 63“ heißt offiziell: „Rente für besonders langjährig Versicherte“.

Bedeutet konkret: Wer mindestens 45 Versicherungsjahre nachweisen kann, darf vor Erreichen des regulären Renteneintrittsalters in den Ruhestand gehen – und zwar ohne, dass die Rente dadurch gekürzt wird.


Lesetipp: Wo die Rentenkommission richtig liegt – und wo nicht


In der Regel werden nämlich Abschläge fällig, wenn die Rente vor dem allgemeinen Renteneintrittsalter beantragt wird. Diese Abschläge sind hoch: Für jeden Monat, den jemand vorzeitig in Rente geht, zieht die Rentenversicherung 0,3 Prozent von der Rente ab. Dieser Abschlag bleibt für die gesamte Rentenzeit bestehen.

Eine „Rente mit 63“ gibt es übrigens schon lange nicht mehr. Mit 63 Jahren konnten nur wenige Jahrgänge in Rente gehen. Ab dem Geburtsjahr 1953 steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate an. Ab dem Jahrgang 1964 ist die abschlagsfreie Rente erst mit 65 Jahren möglich.


Verdient, nicht geschenkt

Die IG Metall hat die Regelung von Anfang an unterstützt. Denn sie korrigiert eine Ungerechtigkeit: Wer 45 Jahre lang gearbeitet, Beiträge gezahlt und den Wohlstand dieses Landes mit geschaffen hat, darf am Ende seines Erwerbslebens nicht noch mit Rentenkürzungen bestraft werden.

Gerade in Berufen mit hohen körperlichen oder psychischen Belastungen ist die Regelung unverzichtbar. Viele Beschäftigte bezweifeln, unter den heutigen Arbeitsbedingungen bis zum regulären Renteneintrittsalter arbeiten zu können. Schichtarbeit, schwere körperliche Tätigkeiten und hoher Leistungsdruck hinterlassen Spuren.

Umfragen zeigen immer wieder: Mehr als die Hälfte der Deutschen glauben nicht, dass sie unter ihren aktuellen Arbeitsbedingungen bis zum 67. Lebensjahr arbeiten können. Über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten zu können, glauben nur rund 23 Prozent der befragten Erwerbstätigen unter 67 Jahren.


Großer Rückhalt für die „Rente ab 63“

Entsprechend groß ist der Rückhalt für die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren. Neun von zehn Befragten sprechen sich für einen abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Jahren aus.

Diese Rente ist verdient – so empfinden es die allermeisten Menschen im Land.

Besonders für Beschäftigte, die körperlich hart arbeiten, ist die Regelung wichtig. Viele von ihnen könnten gar nicht länger arbeiten. Ohne die „Rente für besonders langjährig Versicherte“ müssten sie Rentenabschläge hinnehmen.

Das wäre doppelt ungerecht: Denn ein früher Berufsstart, viele Jahre harte Arbeit, oft im Schichtbetrieb, senken die Lebenserwartung und verringern die Zeit des Rentenbezugs.

Eins ist außerdem klar: Rente kann nicht gesundheitliche Fürsorgeleistung sein. Menschen müssen gesund in Rente gehen können. Aktuelle Pläne, die „Rente ab 63“ durch eine Gesundheitsprüfung für Leistungsgeminderte zu ersetzen, lehnt die IG Metall ab.

Die „Rente ab 63“ hat vielen tausend Menschen eine Anerkennung ihrer Lebensleistung gebracht.

Wir sollten sie erhalten.