Abgeordnetenhauswahl „Mit 16 sollte man mitbestimmen können!“

Bei der Abgeordnetenhauswahl am Sonntag dürfen erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen. Wir haben mit Jasmin Fischer, Jugend- und Auszubildendenvertreterin bei Siemens Energy, über ihre erste Wahl, die Anliegen junger Menschen und das Wahlrecht ab 16 gesprochen.

18. September 2026 18. September 2026


JasminFischer_Frauentag2026

Bei dieser Wahl darfst du zum ersten Mal wählen. Wie ist das für dich?

Ich finde es vor allem schön, dass ich jetzt selbst mitbestimmen kann. Es ist schon ein besonderes Gefühl, zum ersten Mal eine Stimme abzugeben und damit tatsächlich Einfluss nehmen zu können. Ich bin deshalb ein bisschen aufgeregt, aber vor allem froh, dass ich diese Möglichkeit jetzt habe.

Ich werde zwar per Briefwahl wählen und deshalb nicht direkt in Berlin ins Wahllokal gehen, aber trotzdem ist es natürlich etwas Besonderes, zum ersten Mal selbst wählen zu dürfen.

 

Was möchtest du mit deiner Stimme erreichen?

Mir ist wichtig, dass soziale Themen eine Rolle spielen und die Politik die Lebensrealität ganz unterschiedlicher Menschen berücksichtigt. Ich möchte eine Partei wählen, die meine politischen Vorstellungen vertritt und sich klar gegen rechte Positionen stellt.

Dabei geht es mir auch darum, dass junge Menschen nicht vergessen werden. Wir haben andere Herausforderungen als viele ältere Generationen und sollten deshalb bei politischen Entscheidungen, die unsere Zukunft betreffen, mitgedacht werden.

 

Warum ist das Wahlrecht ab 16 für dich wichtig?

Mit 16 ist man längst nicht mehr komplett außen vor aus der Erwachsenenwelt. Viele machen ihren Schulabschluss, beginnen eine Ausbildung oder sammeln bereits erste Erfahrungen im Arbeitsleben. Damit kommen auch ganz konkrete Fragen auf, die politisch entschieden werden.

Wenn beispielsweise über Arbeitszeiten oder die Bedingungen in der Arbeitswelt gesprochen wird, betrifft das Auszubildende direkt. Deshalb finde ich es sinnvoll, dass Jugendliche auch die Möglichkeit bekommen, ihre Interessen an der Wahlurne einzubringen.

 

Was spricht aus deiner Sicht dafür, Jugendlichen diese politische Verantwortung zu übertragen?

Ich glaube, dass Jugendliche durchaus in der Lage sind, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Gerade wenn man bereits eine Ausbildung macht und Verantwortung im Berufsleben übernimmt, finde ich es nachvollziehbar, auch politisch mitentscheiden zu können.

Außerdem geht es bei vielen Entscheidungen um die Zukunft, in der wir jungen Menschen noch besonders lange leben werden. Deshalb sollten wir auch die Möglichkeit haben, diese Zukunft mitzugestalten.

 

Welche politischen Themen beschäftigen dich persönlich besonders?

Ein großes Thema ist für mich die Frage, wie junge Menschen sich ein selbstständiges Leben leisten können. Dazu gehören vor allem bezahlbarer Wohnraum und ein Einkommen, mit dem man seinen Lebensunterhalt tatsächlich bestreiten kann.

Gerade während einer Ausbildung ist das schwierig. Wenn man ausziehen muss oder für die Ausbildung den Wohnort wechseln muss, sind die hohen Mieten ein enormes Problem.

Auch die Arbeitsbedingungen spielen für mich eine wichtige Rolle. Es geht nicht nur darum, überhaupt Arbeit zu haben, sondern auch darum, unter welchen Bedingungen wir arbeiten und wie viel Zeit neben der Arbeit noch für das eigene Leben bleibt.

 

Was würdest du anderen 16- und 17-Jährigen sagen, die zum ersten Mal wählen dürfen?

Nutzt eure Stimme. Informiert euch und macht euch Gedanken darüber, welche Themen euch wichtig sind und welche politischen Positionen dazu passen. Gerade wenn man zum ersten Mal wählen darf, ist es eine gute Gelegenheit, sich mit Politik auseinanderzusetzen und die eigene Meinung einzubringen.

Denn Entscheidungen, die heute getroffen werden, betreffen auch unsere Zukunft. Deshalb finde ich es wichtig, dass junge Menschen diese Möglichkeit zur Mitbestimmung wahrnehmen.

 

Wenn du in Berlin zwei Dinge sofort verändern könntest – welche wären es?

Ich würde mich zuerst um bezahlbaren Wohnraum und die finanzielle Situation junger Menschen kümmern. Beides hängt für mich unmittelbar zusammen.

Gerade am Anfang des Berufslebens sollte es möglich sein, von seinem Einkommen auch selbstständig leben zu können. Wenn die Mieten so hoch sind, dass das mit einem Ausbildungs- oder Einstiegsgehalt kaum möglich ist, wird Selbstständigkeit unnötig schwer. Deshalb wünsche ich mir politische Lösungen, die es jungen Menschen ermöglichen, sich eine eigene Zukunft aufzubauen