Der Umbau des ehemaligen Pierburg-Werks in Berlin-Gesundbrunnen zu einem Produktionsstandort für Munitionskomponenten wird derzeit erneut öffentlich diskutiert und von Protesten begleitet. Wir als IG Metall Berlin respektieren die unterschiedlichen Positionen in dieser Debatte. Gleichzeitig ist für uns klar: Unser friedenspolitischer Auftrag und die Interessenvertretung der Beschäftigten gehören untrennbar zusammen.
Wir bekennen uns in unserer Satzung ausdrücklich zu Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung. Ebenso klar ist unser Auftrag, die Interessen unserer Mitglieder zu vertreten – gerade dann, wenn sie sich in tiefgreifenden Transformationsprozessen befinden.
„Unsere Satzung verpflichtet uns, uns für Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung einzusetzen. Das ist ein unverrückbarer Grundsatz der IG Metall“, sagt Ines Beeck, Zweite Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Berlin. „Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, die Interessen der Beschäftigten zu vertreten. Die Kolleginnen und Kollegen haben nicht über die strategische Neuausrichtung ihres Unternehmens entschieden. Sie haben aber ein Recht auf sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und eine starke Mitbestimmung.“
Transformation eines Industriestandorts
Der Standort in Berlin-Gesundbrunnen war über Jahrzehnte Teil der Automobilzulieferindustrie und ist, wie viele Betriebe der Branche, von den tiefgreifenden Veränderungen der Automobilindustrie betroffen. Nach rückläufigen Aufträgen und anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit wurde entschieden, den Standort künftig für die Fertigung mechanisch bearbeiteter Komponenten für Artilleriemunition zu nutzen. Explosive Stoffe oder fertige Munition werden dort nicht hergestellt.
Für die Beschäftigten bedeutet diese Entscheidung nach Einschätzung des Betriebsrats vor allem den Erhalt der Arbeitsplätze, Investitionen in den Standort sowie umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen. Der gesamte Transformationsprozess erfolgt tarifgebunden und unter umfassender Mitbestimmung.
Bereits im vergangenen Jahr hatten der Betriebsratsvorsitzende Bernd Benninghaus und sein Stellvertreter Martin Wolfgang Hoffmann in einem Interview mit der IG Metall Berlin für einen differenzierten Blick auf die Situation geworben. Beide machten deutlich, dass ihnen bewusst sei, wie kontrovers das Thema auch innerhalb der Gewerkschaft diskutiert wird. Zugleich warben sie dafür, im Gespräch zu bleiben und Verständnis füreinander zu entwickeln.
„Die gesellschaftliche Debatte über Rüstung ist wichtig und notwendig“, bekräftigt Ines Beeck. „Unsere Aufgabe als Gewerkschaft ist es, dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten dabei nicht aus dem Blick geraten. Sie dürfen nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden.“
Wir werden den Transformationsprozess am Standort weiterhin eng begleiten und uns für Tarifbindung, Mitbestimmung und gute Arbeitsbedingungen einsetzen. Gleichzeitig halten wir an unserem friedenspolitischen Auftrag fest. Beides gehört für uns zusammen.