Rund vier Stunden standen am Vormittag in elf Betrieben in Spandau die Bänder und Anlagen still. Zur gemeinsamen Kundgebung versammelten sich die Kolleginnen und Kollegen vor Siemens-Zentrale in der Nonnendammallee.
Beteiligt waren Beschäftigte aus dem BMW Motorradwerk, von Rhenus, BSH Hausgeräte, Innomotics, Oshio, Osram und diverse Siemens-Betriebe. Zunächst versammelten sich die Kolleginnen und Kollegen vor ihren Werkstoren, anschließend zogen sie gemeinsam zur zentralen Kundgebung.
Dort machte Constantin Borchelt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, deutlich, worum es den Beschäftigten geht: „Ihr überlasst es nicht anderen zu entscheiden, was Eure Arbeit wert ist. Ihr seid heute nicht hier, weil Ihr Streit sucht. Ihr seid hier, weil Ihr jeden Tag Leistung bringt und den Erfolg der Unternehmen überhaupt erst möglich macht. Deshalb habt Ihr Respekt und Anerkennung verdient.“ Mit Blick auf den Kundgebungsort ergänzte er: „Siemens führt die Verhandlungen auf Arbeitgeberseite. Deshalb ist es genau der richtige Ort, damit die Arbeitgeber die Botschaft der Beschäftigten heute deutlich hören.“
Markus Kapitzke, Betriebsratsvorsitzender des BMW Motorradwerks, sprach den Ärger über das Arbeitgeberangebot direkt an: „Am letzten Samstag war Halloween, aber so richtig gegruselt habe ich mich am Donnerstag, als die Arbeitgeber ihr Angebot vorgelegt haben. Das war kein Angebot, das war eine Frechheit! Wir wollen unsere Familien versorgen. Wir fordern die 5 Prozent nicht, um im Luxus zu leben“, sagte Kapitzke. Zugleich forderte er die Arbeitgeber auf, endlich auch über Arbeitsplatzsicherung zu sprechen.
Auch Christine Grüneberg, Vertrauenskörperleiterin und Betriebsrätin im Siemens-Energy-Schaltwerk in der Paulsternstraße, machte deutlich, wie sehr die steigenden Lebenshaltungskosten die Beschäftigten belasten: „Die Lebenshaltungskosten kennen nur eine Richtung: nach oben. Miete, Strom, Einkäufe, Sprit – alles wird teurer. Die Arbeitgeber dürfen nicht erwarten, dass die Beschäftigten diese Belastungen allein schultern. Wir brauchen das Geld!“
„Die Arbeitgeber reden ständig vom Fachkräftemangel und davon, wie wichtig Ausbildung für die Zukunft der Industrie ist. Aber in ihrem Angebot haben sie die Auszubildenden offenbar vergessen. Das passt nicht zusammen! Auszubildende sind kein Anhängsel der Betriebe. Wer junge Menschen ausbildet, muss ihnen auch eine Perspektive bieten. Wir brauchen faire Ausbildungsvergütungen und eine sichere Übernahme nach der Ausbildung. Gute Ausbildung muss auch eine gute Zukunft bedeuten“, fordert Jan Lorang, Jugend- und Auszubildendenvertreter bei Siemens Energy in der Huttenstraße.
Predrag Savic, Betriebsratsvorsitzender bei Innomotics, verband die Tarifforderung mit einem Appell für Solidarität und Zusammenhalt: „Statt Krieg und Ausgrenzung sollen Solidarität, Zusammenhalt und Gemeinschaft unser Motto sein.“ Mit Blick auf die vielen Beschäftigten mit Migrationsgeschichte betonte er: „Wir lassen uns nicht spalten. Wir stehen gemeinsam hier und gemeinsam für 5 Prozent!“
Die IG Metall fordert für die rund 96.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus setzt sie sich für die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine Stärkung der unteren Entgeltgruppen ein.