Mit einem starken Auftakt sind am Montag die Warnstreiks in der Berliner Metall- und Elektroindustrie gestartet. Nachdem bereits in der Nacht zum Montag die Nachtschicht bei Siemens Energy in der Huttenstraße in den Warnstreik gezogen war, legten heute zahlreiche weitere Belegschaften nach.
Bei Mercedes-Benz in Marienfelde, GE Vernova und Procter & Gamble beteiligten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen am Warnstreik. Zeitgleich wurde auch bei Rheinmetall, Pierburg und Bosch Sicherheitssysteme gestreikt. Am Nachmittag schloss sich die Belegschaft von Siemens Mobility in der Kiefholzstraße an.
Constantin Borchelt, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Berlin, zieht eine positive Bilanz des ersten Warnstreiktages: „Der heutige Auftakt hat unsere Erwartungen erfüllt. Die Beteiligung war sehr gut, die Stimmung entschlossen und solidarisch. Damit haben die Beschäftigten ein deutliches Signal an die Arbeitgeber gesendet: Das Angebot aus der zweiten Verhandlungsrunde ist nicht akzeptabel. Die Menschen erwarten Respekt für ihre Leistung, fünf Prozent mehr Geld, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich besonders erfolgreichen Unternehmen und vor allem verlässliche Perspektiven für Beschäftigung und Standorte.“
„Die starke Beteiligung am heutigen Warnstreik zeigt: Unsere Kolleginnen und Kollegen stehen geschlossen hinter der Forderung nach 5 Prozent mehr Entgelt. Wer täglich Leistung bringt, verdient Anerkennung und eine faire Bezahlung. Gemeinsam setzen wir ein klares Zeichen: Gute Arbeit verdient gutes Geld“, so Fevzi Sikar, Betriebsratsvorsitzender bei Mercedes-Benz in Marienfelde.
Wie groß die Entschlossenheit in den Betrieben ist, machte auch Bernd Benninghaus, Betriebsratsvorsitzender bei Rheinmetall, deutlich: „Ihr gebt jeden Tag euer Bestes. Auf euch ist Verlass, auch wenn wir gemeinsam auf die Straße gehen müssen, um mehr Geld und eine faire Anerkennung unserer Arbeit durchzusetzen.“
Auch bei Siemens Mobility stößt das Angebot der Arbeitgeber auf große Ablehnung. „Wie sieht Wertschätzung für unsere Arbeit aus? So jedenfalls nicht! Zu mickrigen Tabellenerhöhungen kommt eine Einmalzahlung, über die wir uns auch noch freuen sollen“, sagte Frank Kasischke, Betriebsratsvorsitzender bei Siemens Mobility, auf der Kundgebung. „Wir wissen, was unsere Arbeit wert ist. Deshalb fordern wir fünf Prozent mehr!“
Neben höheren Entgelten geht es den Beschäftigten auch um eine faire Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Unternehmen. Margit Wendt, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Siemens Mobility, brachte es auf den Punkt: „Wir arbeiten jeden Tag am Erfolg des Unternehmens und tragen maßgeblich dazu bei. Deshalb wollen wir auch am Erfolg beteiligt werden. Unsere Auftragsbücher sind für mehrere Jahre voll. Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, ist der Arbeitskampf ein legitimes Mittel, um unsere Forderungen durchzusetzen.“
Fabian, Vertrauenskörperleiter bei Siemens Mobility, fügte hinzu: „Hier wird ordentlich geleistet und am Standort werden ordentliche Gewinne erwirtschaftet. Dann müssen auch die Beschäftigten daran beteiligt werden! Man kann nicht zwei Jahre lang alles geben und für den Erfolg des Unternehmens ranklotzen und am Ende trotzdem mit leeren Händen dastehen.“
Die IG Metall fordert für die rund 96.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus setzt sie sich für die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine Stärkung der unteren Entgeltgruppen ein.