Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2026 - mit Bildergalerie Dritter Warnstreiktag in Berlin: Über 30 Belegschaften bereits im Ausstand

Die Warnstreiks in der Berliner Metall- und Elektroindustrie gehen mit hoher Beteiligung weiter. Seit Beginn der Warnstreiks sind bis zum Mittwochnachmittag bereits mehr als 30 Belegschaften in den Ausstand getreten.

WS Biotronik Berlin 04112026

4. November 2026 4. November 2026


Die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie gehen weiter: Am dritten Warnstreiktag haben erneut zahlreiche Beschäftigte in Berlin ein deutliches Zeichen gegen das unzureichende Angebot der Arbeitgeber gesetzt.

Am Vormittag beteiligten sich die Beschäftigten von SKF und Häfele an einem gemeinsamen Warnstreik. Am Nachmittag folgten die Belegschaften von Biotronik und Biotronik Corporate Services. Parallel dazu streikten die Beschäftigten von Bosch Digital, Hitachi Rail und Atos.

Derweil wächst der Druck auf die Arbeitgeber, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen: Mittlerweile sind allein in Berlin bereits mehr als 30 Belegschaften in den Ausstand getreten. Bundesweit sind bis zum Ende der Woche Warnstreiks in mehr als 2.000 Betrieben geplant.

„Für uns ist neben der Entgeltforderung vor allem die Beschäftigungssicherung entscheidend“, sagte Konstantin Levit, Betriebsratsvorsitzender bei Biotronik. Die Beschäftigten hätten mit dem Zukunftstarifvertrag bereits Zugeständnisse gemacht. Gleichzeitig würden die Lebenshaltungskosten weiter steigen. Deshalb brauche es endlich Klarheit und Sicherheit für die Arbeitsplätze am Standort.

„Wir haben die Transformation schon mitgemacht: Prozesse wurden digitalisiert, Maschinen haben Aufgaben übernommen und Personal wurde abgebaut. Aber auch die modernsten Maschinen bedienen sich nicht von allein. Wenn Stellen gestrichen und nicht nachbesetzt werden, fehlt das Personal – und die Maschinen stehen still. Das kostet das Unternehmen Geld. Das Geld für unsere Tarifforderung wäre da, wenn die Unternehmen ihre Personalplanung vernünftig machen würden, statt immer weiter auf Kosten der Beschäftigten zu sparen“, sagte Nicole Hoffmann, Betriebsratsvorsitzende bei SKF, auf der Kundgebung.

Zustimmung zur Forderung nach einer stärkeren Aufwertung der unteren Entgeltgruppen kam von Gunther Seegebrecht, Vertrauenskörperleiter bei Biotronik. „Die Kolleginnen und Kollegen in der Produktion leisten unter erschwerten Bedingungen wichtige Arbeit. Sie müssen durch Reinraumschleusen, haben strenge Vorgaben bei der Zeiterfassung und werden häufig nur befristet beschäftigt. Diese besonderen Belastungen müssen bei der Bezahlung stärker berücksichtigt werden!“

Deutliche Worte fand Thomas Kusche, Betriebsratsvorsitzender bei Häfele. Das Arbeitgeberangebot sei „eine Ohrfeige für die Beschäftigten“. Wenn den Kolleginnen und Kollegen so wenig Wertschätzung entgegengebracht werde, sei die Antwort klar: „Wir erhöhen den Druck.“

 

Die IG Metall fordert für die rund 96.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus setzt sie sich für die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine Stärkung der unteren Entgeltgruppen ein.