Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2026 Die Hutte brennt! Warnstreikauftakt bei Siemens Energy in der Nachtschicht

Mit dem Ende der Friedenspflicht nimmt die Tarifbewegung in der Metall- und Elektroindustrie Fahrt auf. Den Auftakt der Warnstreiks in Berlin machte in der Nacht zu Montag die Nachtschicht im Siemens Energy Gasturbinenwerk in der Huttenstraße.

Warnstreik bei Siemens Energy in  der ME Tarifrunde 2026

2. November 2026 2. November 2026


Die erste Warnstreikwelle in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie hat in Berlin begonnen: In der Nacht zu Montag legte die Nachtschicht bei Siemens Energy in der Huttenstraße für eine Stunde die Arbeit nieder. Damit machten sie deutlich, was sie von dem Angebot der Arbeitgeber halten: nichts!

„Dass wir heute zu Warnstreiks aufrufen, haben allein die Arbeitgeber zu verantworten. Sie hatten es in der Hand, mit einem verhandlungsfähigen Angebot Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Stattdessen wollen sie den Beschäftigten eine knallharte Minusrunde zumuten. Die Antwort darauf haben die Kolleginnen und Kollegen bei Siemens Energy in der Nacht bereits gegeben: Sie sind bereit, für ihre Forderungen einzustehen und Druck zu machen. Und das war erst der Anfang. In Berlin werden wir die Warnstreiks in den kommenden Tagen weiter ausweiten. Die Arbeitgeber sollten das als klares Signal verstehen: Ohne ein verhandlungsfähiges Angebot wird es keine Ruhe in den Betrieben geben“, sagt Constantin Borchelt, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Berlin.

Die Beteiligung der Nachtschicht zeigt, dass die Unzufriedenheit über das Arbeitgeberangebot groß ist. Viele Beschäftigte sehen sich seit Jahren mit hohen Preisen für Miete, Energie und Lebensmittel konfrontiert. Gleichzeitig ist das Werk durch volle Auftragsbücher stark ausgelastet. Entsprechend groß ist die Erwartung an eine spürbare Entgelterhöhung.

„Unsere Forderungen sind angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten gerecht und in den Berliner Industriebetrieben auch finanzierbar. Wer in einer Branche mit hoher Auslastung und vollen Auftragsbüchern Reallohnverluste anbietet, darf sich über Warnstreiks nicht wundern. Die Arbeitgeber müssen jetzt deutlich nachbessern. Solange das nicht geschieht, werden die Kolleginnen und Kollegen ihre Interessen mit den Mitteln des Arbeitskampfes durchsetzen“, sagt Sophie Bartholdy, zuständige Gewerkschaftssekretärin für Siemens Energy und Geschäftsführerin der IG Metall Berlin.

Günter Augustat, Betriebsratsvorsitzender bei Siemens Energy, betont: „Unsere Kolleginnen und Kollegen spüren jeden Tag, was steigende Mieten, Energie- und Lebensmittelpreise bedeuten. Da ist ein Angebot, das unterm Strich Reallohnverluste bedeutet, schlicht nicht nachvollziehbar. Mit unserem Warnstreik machen wir deutlich: So wird es kein Tarifergebnis geben.“

Enrico Wiesner, Vertrauenskörperleiter bei Siemens Energy, fügt hinzu: „Die Arbeitgeber haben offenbar noch nicht verstanden, wie groß der Unmut in den Betrieben ist. Wer den Beschäftigten Reallohnverluste anbietet, braucht sich über Warnstreiks nicht zu wundern.“

 

Die IG Metall fordert für die rund 96.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg eine Erhöhung der Entgelte und der Ausbildungsvergütungen um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem setzt sie sich für die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben sowie eine stärkere Entlastung der unteren Entgeltgruppen ein.