Bundesweiter Aktionstag 175.000 demonstrieren gegen Sozialabbau

Unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ demonstrierten am Samstag bundesweit rund 175.000 Menschen gegen Sozialabbau. In Berlin gingen 12.000 auf die Straße. Sie alle setzten ein starkes Zeichen für eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik.

Kundgebung und Demonstration des DGB "Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente." gegen Sozialabbau vom Berliner IG Metall Haus zum Roten Rathaus.

27. September 2026 27. September 2026


Die IG Metall machte gemeinsam mit dem DGB und den anderen Mitgliedsgewerkschaften und im Bündnis mit Sozial-, Wohlfahrts- und Umweltverbänden, Jugendorganisationen und Zivilgesellschaft deutlich: Der Sozialstaat ist kein Geschenk. Er ist das Ergebnis der Arbeit und der Beiträge von Millionen Menschen. Sie dürfen nicht mit weniger Leistung, höheren Kosten und neuen Hürden abgespeist werden, sondern haben Anspruch auf gute Gesundheitsversorgung, soziale Sicherheit und eine verlässliche Rente. Die Proteste richteten sich gegen geplante Verschlechterungen im Arbeits- und Sozialbereich – darunter längere und flexiblere Arbeitszeiten, mehr Befristungen und der Abbau von Schutzrechten. Auch in Gesundheit und Pflege drohen schlechtere Leistungen und zusätzliche Belastungen. Bei der Rente stehen die Sicherheit des Alterseinkommens und die Anerkennung der Lebensleistung auf dem Spiel – unter anderem durch ein höheres Rentenalter, den möglichen Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und ein Absinken des Rentenniveaus.

Jürgen Kerner, 2. Vorsitzender der IG Metall, stellte auf der Kundgebung in Berlin klar: „In Zeiten maximaler Unsicherheit gehen diese Reformvorhaben in die falsche Richtung. Sozialabbau löst kein einziges Problem. Wir brauchen sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und einen starken Sozialstaat. Beschäftigte müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Rechte geschützt und sie bei Gesundheit, Pflege und Rente gut abgesichert sind. Das sind keine Geschenke. Dafür zahlen wir Beiträge - und zwar nicht zu knapp.

Sophie Bartholdy, Geschäftsführerin der IG Metall Berlin, machte deutlich: „Unsere Kolleginnen sind es leid, dass sie nicht nur keine Wertschätzung dafür erfahren, dass sie den unglaublichen Spagat zwischen unbezahlter Carearbeit für ihre Familien und Lohnarbeit vollziehen, sondern dass sie sich auch noch zusehends für ihre hart erkämpften Tarifverträge rechtfertigen müssen.“ Besonders die Angriffe auf die 35-Stunden-Woche wies sie entschieden zurück und forderte mehr Respekt für die Leistung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern: „Nein, ihr seid nicht faul, wenn ihr 35 Stunden die Woche arbeiten geht. Ihr leistet Großartiges!“ 

 


Sophie Bartholdy

Christine Grüneberg, Betriebsrätin und Vertrauenskörperleiterin im Siemens-Energy-Schaltwerk, betonte: „Viele Kolleginnen und Kollegen merken jeden Monat, wie viel Geld für den Weg zur Arbeit im Tank verschwindet. Gleichzeitig wird darüber diskutiert, noch länger arbeiten zu sollen. Als Mutter einer Tochter weiß ich, dass Arbeit nicht endet, wenn die Schicht vorbei ist. Dann beginnt die Verantwortung für Familie und Kinder. Wer den Achtstundentag angreift, greift auch die Zeit an, die wir für unsere Familien, für Erholung und für ein menschenwürdiges Leben brauchen. Wir wollen gute Arbeit leisten, aber nicht bis zum Umfallen arbeiten müssen.“ 

 


Christine Grüneberg