Bereits in den frühen Morgenstunden machten Beschäftigte ihren Protest am Gifhorner Standort des Entwicklungsdienstleisters sichtbar. Mit einer groß angelegten Klebeaktion brachten sie eine überdimensionale Hand mit der Aufschrift „5 Standorte – ein Team“ an. Die Botschaft ist eindeutig: Die Belegschaft steht zusammen, lässt sich nicht spalten und fordert ein tragfähiges Zukunftskonzept.
Die kurzfristige Entfernung des Symbols durch die Unternehmensleitung sorgte bei vielen Beschäftigten für zusätzlichen Unmut. Während sichtbarer Protest umgehend unterbunden wird, verweigert die Unternehmensleitung weiterhin ernsthafte Gespräche über die Zukunft der Standorte.
„Die Beschäftigten haben eindrucksvoll deutlich gemacht, dass sie den Kahlschlag nicht akzeptieren. Wer Standorte schließen und tausende Arbeitsplätze streichen will, muss sich dem Widerstand der Belegschaft stellen. Statt Symbolik zu entfernen, erwarten wir von der Geschäftsführung nach wie vor ein ernsthaftes Zukunftskonzept für alle Standorte“, sagte Ines Beeck, Zweite Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Berlin.
Rund 1.000 Beschäftigte aus Berlin, Sachsen, Süddeutschland und Gifhorn beteiligten sich an den Protesten. Viele waren in von der IG Metall organisierten Bussen oder privat nach Gifhorn angereist, um während der Aufsichtsratssitzung gemeinsam Druck auf die Geschäftsführung auszuüben. Der Protest der Beschäftigten war während der laufenden Sitzung unüberhörbar. Zeitweise musste die Aufsichtsratssitzung in einen anderen Gebäudeteil verlegt werden.
1.400 Jobs vor dem Aus
Hintergrund der Proteste sind die im Mai vorgestellten Abbaupläne der Unternehmensleitung. Bis Mitte 2027 sollen bundesweit 1.400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Besonders betroffen ist der Berliner Standort: Die Niederlassung mit rund 1.250 Beschäftigten soll bis spätestens 30. Juni 2027 geschlossen und verkauft werden. Gleichzeitig plant die Geschäftsführung massive Eingriffe in tarifliche Standards bei Arbeitszeit, Urlaub und Entgelt.
Hinzu kommt: Die IAV-Belegschaft hat in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht. Im Rahmen eines Zukunftssicherungstarifvertrags wurde auf Vergütung in zweistelliger Millionenhöhe verzichtet – verbunden mit klaren Versprechen der Geschäftsführung über neue Aufträge und Investitionen. Diese Versprechen wurden nicht eingehalten. Jetzt sollen die Beschäftigten erneut die Zeche zahlen.
„Was die Unternehmensleitung hier forciert ist Personalabbau mit der Brechstange“, sagte Jan Brauburger, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin. „Anstatt in echte Verhandlungen einzutreten, werden die Kolleg*innen vor scheinbar vollendete Tatsachen gestellt. Das ist ein unwürdiger Umgang mit der Belegschaft, die dieses Unternehmen groß gemacht hat. Über 1000 IAVler*innen aus ganz Deutschland haben gezeigt: Wir stehen solidarisch an der Seite aller fünf Standorte – wir bleiben alle.“
IG Metall fordert Zukunftskonzept statt Kahlschlag
Die IG Metall fordert weiterhin die sofortige Aufnahme ernsthafter Verhandlungen über ein tragfähiges Zukunftskonzept für alle Standorte. Dazu gehören der Erhalt des Berliner Standorts, die Sicherung der Arbeitsplätze sowie die Einhaltung bestehender Tarifverträge.
Berichterstattung:
NDR Niedersachsen 18 Uhr TV-Beitrag vom 19.05.2026: Angestellte bei IAV protestieren gegen Sparmaßnahmen
Süddeutsche Zeitung/dpa vom 19.05.2026: In Gifhorn - Mitarbeiter protestieren gegen Stellenabbau bei IAV - Auto & Mobil - SZ.de
NDR Hörfunkbeitrag vom 20.05.2026: Gifhorn: IAV-Beschäftigte demonstrieren gegen Sparpläne | ndr.de
Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 20.05.2026: Tarifstreit bei IAV: Hunderte Beschäftigte demonstrieren