Nach Kündigungswelle bei DeepL: Gewerkschaften werfen Unternehmen Behinderung der Betriebsratswahl vor
Nach der Ankündigung des KI-Unternehmens DeepL, rund 250 Stellen abzubauen, werfen die Gewerkschaften dem Unternehmen vor, die erstmalige Betriebsratswahl am deutschen Stammsitz in Köln gezielt zu behindern. Betroffen ist ein erheblicher Teil der rund 620 Beschäftigten in Deutschland.
DeepL hatte die Entlassungen am 07. Mai 2026 veröffentlicht und unter anderem mit einem verstärkten Einsatz von KI begründet. Gleichzeitig entstehen an anderen europäischen Standorten neue Stellen.
Bereits am 03. März 2026 hatten Beschäftigte mit Unterstützung der IG Metall einen Wahlvorstand gewählt. Dieser organisiert die Betriebsratswahl. Nach Angaben der Gewerkschaften verzögerte das Unternehmen jedoch mehrfach die Herausgabe notwendiger Beschäftigtendaten und hielt Fristen nicht ein. Die Betriebsratswahl konnte deshalb bislang nicht stattfinden.
Schon 2024 hatte es einen ersten Versuch gegeben, einen Betriebsrat bei DeepL zu gründen. Auch damals berichteten Beschäftigte von erheblichem Druck durch die Geschäftsführung.
Dazu erklärt Jan Brauburger von der IG Metall Berlin: „DeepL tritt hier die Mitbestimmung mit den Füßen. Dass ausgerechnet unmittelbar vor der erstmaligen Wahl eines Betriebsrats ein erheblicher Teil der deutschen Belegschaft entlassen werden soll, ist ein Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiter*innen, die das Unternehmen erst zu dem gemacht haben, das es ist. Wir fordern die Geschäftsführung auf: Begegnet euren Mitarbeiter*innen mit Wertschätzung. Respektiert ihr Recht auf einen Betriebsrat. Und vor allem: Schluss mit dem Druck auf die Mitarbeiter*innen, die hier für ihre Rechte eintreten.“
Tjark Sauer, Geschäftsführer von ver.di Köln-Bonn-Leverkusen, ergänzt: „Beschäftigte haben ein gesetzlich geschütztes Recht auf Mitbestimmung. Wer gleichzeitig hunderte Kündigungen ausspricht und die Betriebsratswahl verzögert, sendet ein eindeutiges Signal. Die Kolleg*innen brauchen gerade jetzt Schutz, Transparenz und eine starke Interessenvertretung.“
Viele Kolleg*innen erlebten die aktuelle Situation als massiv belastend. Gerade jetzt sei ein gewählter Betriebsrat wichtig, um die Interessen der Beschäftigten kollektiv vertreten zu können, so die Kritik von Aktiven aus dem Wahlvorstand.
Für Rückfragen:
Jan Brauburger, IG Metall Berlin, jan.brauburger@igmetall.de, 0151-16237852
Pauk Hecker, IG Metall Köln-Leverkusen, paul.hecker@igmetall.de 0151-29231155
Markus Frings, ver.di Köln-Bonn-Leverkusen 0171-3062109
Tjark Sauer, ver.di Köln-Bonn-Leverkusen