Pressemitteilung IAV in Berlin muss bleiben: 900 Beschäftigte demonstrieren für Standorterhalt

Am Dienstagmittag demonstrierten 900 Beschäftigte am Stammsitz von IAV in Berlin Moabit für den Erhalt des Standorts. Mit einem Demonstrationszug und anschließender Kundgebung machten die Beschäftigten deutlich: Sie werden für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze kämpfen.

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IAV in Berlin muss bleiben: 900 Beschäftigte demonstrieren für Standorterhalt 

 

Am Dienstagmittag demonstrierten 900 Beschäftigte am Stammsitz von IAV in Berlin Moabit für den Erhalt des Standorts. Mit einem Demonstrationszug und anschließender Kundgebung machten die Beschäftigten deutlich: Sie werden für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze kämpfen. „Die Beschäftigten von IAV haben heute deutlich gezeigt, dass sie den Standort Berlin und ihren Tarifvertrag nicht kampflos aufgeben werden. Wir kämpfen weiter für den Standort und für die Arbeitsplätze bundesweit“, berichtete Jan Brauburger, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin nach der Kundgebung am Mittag. 

Vergangene Woche informierte die IAV-Geschäftsführung die Belegschaft über ihre Abbaupläne, die sie „Zukunftskonzept“ nennt. Tatsächlich handelt es sich um einen massiven Kahlschlag: Bundesweit sollen bis zu 1.400 Stellen wegfallen. Besonders hart trifft es Berlin: Der Standort mit rund 1.250 Beschäftigten soll bis spätestens 30. Juni 2027 geschlossen und verkauft werden. 

Als vermeintliche Alternative verweist das Management auf einen Wechsel an den Standort Gifhorn. „Wenn Berliner Beschäftigte nach Gifhorn wechseln sollen, bedeutet das angesichts der geplanten 1.400 Stellenstreichungen im Umkehrschluss: Andere Kolleginnen und Kollegen verlieren dort ihren Arbeitsplatz“, sagte Tanja Schneider, Betriebsratsvorsitzende von IAV in Berlin. „Wir stehen bundesweit zusammen und werden nicht zulassen, dass uns die Geschäftsführung und Volkswagen spaltet.“ 

Doch damit nicht genug: Parallel greift die Geschäftsführung massiv die Arbeitsbedingungen an. An allen Standorten sollen ab sofort nur noch 25 Urlaubstage gelten, die Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche erhöht und gleichzeitig Entgeltbestandteile gekürzt werden – trotz bestehender Tarifverträge.

Für die Beschäftigten bedeutet das nicht nur die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes, sondern auch einen schwerwiegenden Angriff auf tarifliche Standards und ihre Arbeitsbedingungen. „Das Vorgehen der Geschäftsführung ist beispiellos. Hier sollen nicht nur Arbeitsplätze vernichtet, sondern auch Tarifverträge gebrochen werden“, kritisierte Ines Beeck, Zweite Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Berlin. „Wer bestehende Vereinbarungen infrage stellt, verspielt Vertrauen und zerstört die Verlässlichkeit, die Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber erwarten dürfen. Die IG Metall Berlin fordert die Geschäftsführung auf, ihre Angriffe sofort zurückzunehmen und sich an geltende Vereinbarungen zu halten. Berlin ist ein leistungsfähiger Industriestandort mit engagierten Beschäftigten. Wer ihn schließt, entscheidet sich bewusst gegen Fachkräfte, gegen Verantwortung und gegen die eigene Zukunft als Unternehmen. Das werden wir nicht hinnehmen.“ 

 

Hintergrund:

Die IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr) ist ein führender Entwicklungsdienstleister der Automobilindustrie mit Schwerpunkten in den Bereichen E-Mobilität, autonomes Fahren und Fahrzeugentwicklung. Das Unternehmen beschäftigt bundesweit rund 5.500 Menschen an fünf Standorten. Am Berliner Stammsitz arbeiten etwa 1.250 Menschen. 

Seit fast fünf Monaten verhandeln IG Metall, Betriebsrat und Geschäftsführung über die Zukunft des Unternehmens. Bereits im Jahr 2024 wurden bundesweit rund 600 Stellen abgebaut – verbunden mit dem Versprechen, das Unternehmen wirtschaftlich zu stabilisieren. Im Dezember 2025 kündigte die Geschäftsführung jedoch an, weitere 1.400 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Bereits im März kam es zu ersten Protesten, nachdem Verhandlungstermine wiederholt kurzfristig abgesagt wurden. Die aktuellen Pläne zur weitgehenden Schließung des Berliner Standorts markieren nun eine weitere Zuspitzung des Konflikts.

Für Rückfragen:

Annika Schwarze, +49 171 1033127, annika.schwarze@igmetall.de