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Pressemitteilung
AGH-Wahl: IG Metall Berlin & Betriebsräte legen Forderungskatalog zur Berliner Industriepolitik vor
Unter dem Motto „Industrie für Berlin – Berlin für Industrie“ haben die IG Metall Berlin sowie Betriebsräte und Betriebsrätinnen aus Berliner Industriebetrieben heute ihre Erwartungen an die kommende Legislaturperiode vorgestellt.
Foto: IG Metall
Abgeordnetenhauswahl 2026: IG Metall Berlin und Betriebsräte legen Forderungskatalog zur Berliner Industriepolitik vor
Unter dem Motto „Industrie für Berlin – Berlin für Industrie“ haben die IG Metall Berlin sowie Betriebsräte und Betriebsrätinnen aus Berliner Industriebetrieben heute ihre Erwartungen an die kommende Legislaturperiode vorgestellt. Der Forderungskatalog zur Berliner Industriepolitik richtet sich an die Parteien zur Abgeordnetenhauswahl und an den künftigen Senat.
Die Berliner Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten tiefgreifende Veränderungen erlebt. Nach Jahren des industriellen Abbaus konnten bestehende Standorte stabilisiert und neue industrielle Kerne aufgebaut werden. Gleichzeitig steht die Industrie vor neuen Herausforderungen: Digitalisierung, Energiewende, Fachkräftemangel und geopolitische Unsicherheiten verändern Produktionsbedingungen und Wertschöpfungsketten grundlegend. Aus Sicht der Beschäftigten braucht Berlin deshalb eine Industriepolitik, die die Transformation aktiv gestaltet und die industrielle Basis der Hauptstadt stärkt.
„Damit gute Arbeitsplätze, Ausbildung, Innovation und industrielle Wertschöpfung in unserer Stadt gesichert werden, erwarten wir von allen Parteien und vom künftigen Senat ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Berlin und zu dessen Beschäftigten. Dazu gehört auch, sich in betrieblichen Konflikten, wie etwa bei der IAV. Klar und sichtbar an die Seite der Beschäftigten zu stellen und ihre Interessen konsequent zu verteidigen“, erklärt Constantin Borchelt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin.
Forderungskatalog an die Berliner Politik (Kurzfassung, Langfassung siehe unten):
1. Respekt vor der Arbeit. Die Betriebsräte und ihre Gewerkschaften kämpfen für Industrie in Berlin, für gute Arbeitsplätze in der Industrie unserer Stadt. Wir fordern von der Politik den Respekt für diese Arbeit – durch Setzen der richtigen Schwerpunkte und durch eine Politik auf Augenhöhe.
2. Respekt vor der Demokratie. Als Betriebsrätinnen und Betriebsräte stehen wir für konkrete Lösungen und gegen Populismus. Wir stehen für friedliches Miteinander, gegen Ausgrenzung und Hass. Wir fordern von den Parteien, sich mit uns für Zusammenhalt und gegen Spaltung stark zu machen.
3. Sozial gerechtes Berlin. Wohnen wird immer teurer, und Berlin hat nicht genug Wohnungen. Das vertreibt qualifizierte Kolleginnen und Kollegen aus der Stadt oder schreckt junge Menschen davon ab, hier eine Ausbildung zu beginnen. Bezahlbares Wohnen ist auch eine zentrale Frage der sozialen Gerechtigkeit. Wir fordern daher klaren Vorrang für bezahlbares Wohnen.
4. Ausbildung: große Stärke – große Sorge. Wir sehen mit großer Sorge, dass weniger Ausbildungsplätze in der Industrie angeboten werden. Wir fordern: bessere Berufsorientierung, Investitionen in die beruflichen Schulen und ein Umdenken in den Betrieben. Und damit das Umfeld stimmt: den Aufbau eines Azubi-Werks, das Wohnraum für Auszubildende schafft. Ebenso wichtig für die langfristige Fachkräftesicherung: Viel mehr Berliner Hochschulabsolventen müssen den Weg in Berliner Industriebetriebe finden. Das ist der beste „Wissenstransfer”.
5. Am Ball bleiben – aber alle. In den nächsten Jahren muss die Weiterqualifizierung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärker in den Blick genommen werden. Das gilt nicht nur für die Industrie, aber hier ganz besonders.
6. Industrie braucht Platz. Immer wieder erleben wir, dass Unternehmen bestimmte Fertigungen aufgeben, Arbeitsplätze verlorengehen und versucht wird, mit den Flächen Geschäfte zu machen. Teils wird eine künstliche Konkurrenz von Industrienutzung und Wohnungsbau behauptet. Hier muss die Politik klar und stabil sein.
7. Wirtschaftsförderung: den Bestand stärken. Die meist kleineren und mittleren Berliner Betriebe brauchen Netzwerke, Förderung und gute Ansprechpartner in der Verwaltung. Deshalb ist es wichtig, dass der „Unternehmensservice“ als praxisnaher und in den zwölf Bezirken präsenter Teil der Wirtschaftsförderung gestärkt wird.
8. Resilienz stärken. Die Lieferprobleme zu „Corona-Zeiten“, durch den Ukraine-Krieg oder den Iran-Konflikt zeigen: Entwickeln und Produzieren in Europa, in Deutschland ist ein Gebot der Stunde.
9. Industriepolitik vertiefen und Investitionen zielgerichtet einsetzen. Die industriellen Herausforderungen haben sich deutlich verändert. Gleichzeitig steht mit den beschlossenen Sondervermögen viel Geld zur Verfügung. Diese Mittel müssen gezielt eingesetzt werden. Uns ist wichtig, staatliche Investitionen stärker mit der regionalen Industrie zu verbinden, um Wertschöpfung vor Ort zu sichern.